Spezialdistribution: Direkte Rückmeldung aus dem Markt +++ Mikrocontroller: Er hatte sie alle +++ SoM inklusive 2D Grafik Engine für Einsteiger
„Er hatte sie alle!“
Harald Frank – ein Meilenstein der Embedded-Branche geht in den Ruhestand
Nach 25 Jahren bei GLYN verabschiedet sich Harald Frank (links im Bild) in den wohlverdienten Ruhestand. Für viele Kunden, Hersteller und Kollegen war er weit mehr als nur Office Manager in Nettetal:
Harald war Mikrocontroller-Spezialist, SUPPORT-Legende, Motor-Control-Enthusiast und Ideengeber mit außergewöhnlichem Gespür für technische Lösungen.
Sein PR-Kollege Bernd Haberzettl (rechts im Bild) blickt gemeinsam mit ihm auf eine Zeit voller Innovationen, kurioser Messeaktionen und legendärer Kundenprojekte zurück.
Bernd Haberzettl: Harald, wenn man deine Karriere bei GLYN in einem Satz beschreiben müsste, wie würde der lauten?
Harald Frank: (Lacht) Wahrscheinlich: „Er hatte sie alle!“
Und damit meine ich tatsächlich Mikrocontroller. Von den ersten Mask-ROM-Systemen über OTPs bis hin zur Flash-Technologie: ich durfte praktisch jede Evolutionsstufe der Embedded-Welt begleiten.
Bernd: Gehen wir zurück ins Jahr 2000. Die Embedded-Welt stand vor einem Umbruch.
Harald: Absolut. Damals begann der große Wechsel von klassischen kundenspezifischen Mikrocontrollern hin zu Flash-basierten Systemen. Der Mitsubishi M16C war damals der Controller schlechthin. Jeder wollte ihn haben. GLYN und Rein waren damals direkte Wettbewerber. Rückseite an Rückseite auf der Embedded Systems Messe. Rein warb mit „Heute schon geflasht?“ und GLYN antwortete mit „Hier flashen Sie richtig“. Das war schon legendär.
Bernd: Und GLYN erfand damals quasi das Low-Cost-Evaluationboard?
Harald: Ja, das war wirklich revolutionär. Ein deutschsprachig unterstütztes M16C-Starterkit für gerade einmal 50 Mark. Heute klingt das selbstverständlich, aber damals war das ein echter Gamechanger. Der Mittelstand konnte plötzlich schnell und günstig in moderne Mikrocontroller-Technologie einsteigen.
Bernd: Kurz darauf kam dann der große Wechsel zu GLYN.
Harald: Das war tatsächlich eine besondere Geschichte. Rein verlor unter dem Einfluss des damaligen Eigentümers Memec den Mitsubishi-Distributionsvertrag. Für mein achtköpfiges MCU-Projektteam und mich war klar: Wenn wir weitermachen wollen, dann richtig. Und so entstand am 01.07.2001 das GLYN Sales Office Nettetal. Rückblickend war das wahrscheinlich eine der wichtigsten Entscheidungen meiner Karriere.
Bernd: Und gleichzeitig der Beginn eines unglaublichen Wachstums von GLYN im MCU-Bereich.
Harald: Die Zeit war verrückt. Die Nachfrage nach Mikrocontrollern explodierte. Wir haben unglaublich viele Projekte gewonnen und uns zu einem der größten MCU-Distributoren Deutschlands entwickelt. Das ging aber nur, weil Technik, Support und Vertrieb perfekt zusammenspielten.
Bernd: (Lacht) Support war immer dein großes Thema.
Harald: Definitiv. Ich war immer überzeugt: Gute Technik allein reicht nicht. Kunden brauchen Lösungen und schnelle Hilfe. Deshalb entstanden auch viele unserer Messeaktionen.
Bernd: Die legendäre GLYN SUPPORT Tankstelle auf der Embedded World zum Beispiel?
Harald: Genau! Wissen auftanken per USB-Stick an der Zapfsäule. Das war damals ziemlich einzigartig. Oder die „GLYNOSAURUS Rex“-Aktion im Senckenberg Museum: motor- und mikrocontrollergesteuerte Dinosauriermodelle. Das war technisch anspruchsvoll. Und gleichzeitig war es herrlich verrückt.
Bernd: Eine deiner bekanntesten Ideen entstand aber aus einem echten Kundenproblem heraus, und zwar bei Zigarettenautomaten mit Embedded Technologie und Touch Steuerung.
Harald: Das war ein typischer Fall von „praxisnah denken“. Die Automaten liefen mit PC-Boards. Das Problem war: Kneipenbesitzer schalteten abends einfach die Sicherung aus. Am nächsten Morgen hingen die Systeme regelmäßig beim Booten fest. Unsere Lösung war ein kleiner M16C-Mikrocontroller als eine Art Piggyback-Modul, der den Bootvorgang sauber übernahm. Kostenpunkt: etwa zwei Euro pro Gerät. Über Nacht konnten rund 1.000 Automaten umgerüstet werden. Und das Problem war dauerhaft gelöst.
Bernd: Das beschreibt dich eigentlich perfekt: pragmatisch, schnell und technisch kreativ.
Harald: Ich glaube, genau das hat mir immer Spaß gemacht. Nicht nur Produkte verkaufen, sondern echte Lösungen finden.
Bernd: Harald, vielen Dank für 25 Jahre Leidenschaft, Ideenreichtum und außergewöhnlichen Einsatz. Und jetzt die wichtigste Frage: Was kommt nach Mikrocontroller und Motor-Control?
Harald: (Lächelt) Vielleicht endlich mal Dinge bewegen, die keinen Debugger brauchen.